Was singen wir da eigentlich?

Vor kurzem habe ich mal wieder Musik im Gottesdienst gemacht und der geneigte Lobpreismusiker kennt das Problem: der Prediger oder Pastor hat oftmals einen leicht anderen Musikgeschmack und sucht natürlich nicht die eigenen Lieblingslieder für den Gottesdienst aus. Das ist natürlich legitim und auch richtig so, denn der eigene Geschmack ist natürlich nicht der letzte Maßstab allen Handelns. Doch gelegentlich liegt dann auch mal ein Text auf, der einem Bauchschmerzen bereitet. So auch vor kurzem wieder. Irgendwie hat meine Gemeinde das Lied “Multiply your Love” lieb gewonnen und so erklingt dieses Lied in regelmässigen Abständen in den Gottesdiensten. Das Problem dabei? Das Lied gehört (meiner bescheidenen Meinung nach) zu der Sorte Lied die einen unglaublichen gut gemeinten Ansatz hat, aber aufgrund einiger Formulierungen ins theologische Abseits läuft. Es dreht sich in dem Lied darum, wie wir als “Multiplikatoren” für Gottes Liebe zu den Menschen unterwegs und wie Gott durch unsere Worten und Taten seine Liebe ausgiesst… Die erste Strophe geht:

Multiply Your love through us, to the lost and the least
Let us be Your healing hands, Your instruments of peace
May our single purpose be, to imitate Your life
Through our simple words and deeds, let love be multiplied

Spätestens bei der Zeile “May our single purpose…” klingeln bei mir alle Alarmglocken: Ich will ja nicht unterstellen, dass Andy Park (der Komponist) mit dem Lied bewusst Werksgerechtigkeit lehren will. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Liedzeilen “May our/my single purpose be, to imitate your life” ungeschickt genug formuliert sind um das Lied abzulehnen.

1.) “single purpose”: alleinige Bestimmung, Zweck und Erfüllung
2.) “imitate your life”: aktive Handlung, Jesu Lebensbeispiel nachmachen oder nachzuahmen.

Es ist sicherlich nicht unsere alleinige Bestimmung oder gar unsere alleinige Erfüllung Jesu Leben nachzuahmen. Wenn dies der Maßstab ist, dann verfehlen wir unseren Zweck, denn wir können als Menschen nicht Jesu Leben nachahmen. Wir erfahren unseren Zweck und unsere Erfüllung einzig und allein in dem wir im Glauben aus Gottes Gnade und seiner Versöhnung am Kreuz heraus ihm folgen. Und nur aus der Gewissheit heraus, dass unser Zweck und unsere Bestimmung bereits am Kreuz vollendet wurde können wir in Wort und Tat Jesus ähnlich werden.

Wir machen oft den Fehler, dass wir Jesu Lebensbeispiel und das Gebot der Nächstenliebe als seelig machendes Vorbild fehlinterpretieren und implizieren mehr oder weniger unbewusst, dass wir auf diese Art Gott gefallen können, das alles was zählt ist, dass wir ihm und seinem Beispiel folgen. Doch das ist eine besonders perfide Form der Gerechtigkeit durch Werke. Das Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe ist zunächst einmal genauso Gesetz wie alle anderen Gebote auch. Auch wenn wir darauf verweisen können, dass in diesen zwei Geboten der Liebe alle Gebote Gottes für den Menschen zusammenlaufen, so werden wir ihnen primär nicht gerecht und sie werden uns immer wieder bloßstellen und offenlegen wie unfähig wir doch tatsächlich sind zu lieben. Wenn wir an dieser Stelle eine Abkürzung zum Dienst am Nächsten nehmen und dabei unterschlagen, dass “darin […] die Liebe [besteht]: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden” (1. Johannes 4:10), dann predigen wir nur das Gesetz, aber nicht das Heil.

Wir sollten aufpassen was wir singen und damit auch predigen. Es sind oft die vielen kleinen Liedzeilen, die einem nach einem Gottesdienst noch im Kopf rumschwirren… oftmals vielmehr als die Inhalte der doch mal wieder etwas längeren Predigt.

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3 Responses to Was singen wir da eigentlich?

  1. Diana says:

    Hi Johannes,

    I share your critical stance on the stuff happy-clappies tend to sing (along to) – and for that matter, what other church-goers sing (along to), too, as the theology of some traditional hymns can be quite horrible as well (though in different respects). But I guess there is worse around than what you have quoted here. I guess one could take it simply as an adhortation to “Nachfolge”. What do you think?
    Greetings,
    Diana

  2. room2blog says:

    Hi Diana,

    I actually don’t mind the “shallow happy-clappy songs”. Shallow theology is IMHO more or less like BurgerKing and McDonalds. Occasionally grabbing a meal there won’t hurt you, but if our spiritual diet is centered around fast-food-make-me-feel-good-right-now-theology worship songs we might just become sluggish whilst suffering from malnutrition at the same time. I agree that traditional church hymns can just be as awfully shallow as modern worship songs :). Often history has already covered them with the dust of oblivion, but occasionally one of those songs surfaces and you think… what the heck :).

    Anyway, I’m more wary of what I perceive as distorted or critical theology. There are many songs where I find myself thinking: Is this really how God is? Is this really what matters? … etc. Usually I give those songs the benefit of doubt. Occasionally when I believe something is more than a little off, I just can’t get over it. In this particular song it was that one line that pushed it over the edge.

    I agree that this song is mostly a call to discipleship and I’m giving Andy Parks the benefit of doubt of having written this with the best intention. I just think this song makes it way to easy to confuse the mere act of following Jesus and imitating his life with salvation. Way to easy.

  3. david says:

    This song always reminds me of the Intel commercials in german TV for the dual core processor: Multipliziere die Möglichkeiten!

    I don’t think so much about the theologie of the song, but i think of the commercial and of the fact, that you can multiply with something that is less than one.

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